Geistliche Worte - Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde

Ev.-luth. Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde
Hannover Badenstedt
Ev.-luth. Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde
Hannover Badenstedt
Direkt zum Seiteninhalt

Geistliches Wort


Höher, schneller, weiter ...

Schauen Sie eigentlich noch Ihre Urlaubsfotos an? Oder werden die digitalen Dateien in zigfacher Ausfertigung zwar noch auf die Festplatte kopiert, verschwinden dann aber im Nirwana der Bites und Bytes? Ist nach dem Urlaub gleich wieder vor dem nächsten Event, vor dem nächsten Projekt, vor dem nächsten Urlaub?
Ich weiß noch, wie ich als Jugendlicher begann, mich mit meiner Carena Spiegelreflexkamera in die Welt der Fotografie hinein zu begeben. Vordergrund, Hintergrund, Tiefenschärfe, Lichtverhältnisse … – viel zu berücksichtigen, damit man vom „Knipsen“ zum Fotografieren kommt. Doch dann lässt sich ein
bewusst wahrgenommener Moment aus einem Ausschnitt der Wirklichkeit für die Ewigkeit festhalten. Ob das gut gelungen ist, dass wusste ich vor den Zeiten der Digitalfotografie überhaupt nicht.
Umso spannender war es, Post vom „Foto‐Umkehr Service“ zu bekommen, voller Erwartung den Brief zu öffnen, um dann im ersten Schnelldurchlauf die kleinen Diastreifen zu begutachten. Da waren dann oft schon auf den ersten Blick welche bei, die mich erfreuten und die ich möglichst schnell einrahmen wollte, um sie in imposanter Größe und Qualität zu sehen und zu genießen.
So bekamen kleine Momente des Lebens eine große Würde und Wertschätzung. Und die Schönheit des Momentes floss mir beim Betrachten des Bildes wieder zu. Ja, das war damals, als „gefühlt“ irgendwie noch mehr Zeit zur Verfügung stand. Heute ist die Zeit infiziert mit dem Virus „höher, schneller, weiter,
mehr …“. Oder, verpackt in wohlklingende Fremdworte: effizient & effektiv – mehr Spaß, mehr Leistung, mehr Gewinn, mehr Umsatz, mehr Erleben, mehr Haben, mehr …  Ein bisweilen lebenszerstörender „Mehr‐Virus“, oft ohne „Mehr‐Wert“.
Jetzt, in der Urlaubszeit, gibt es vielleicht Gelegenheiten, dieses „mehr“ gegen das Meer zu tauschen, die Quantität gegen die Qualität, die Hetze gegen die Ruhe, die Effizienz & Effektivität gegen die Muße … Vielleicht kann Gott dann auch wieder spürbar werden, wie es im Psalm 62 heißt: „Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft“.

Oder mit den Worten von Andreas Gryphius:

Mein sind die Jahre nicht,
die mir die Zeit genommen.
Mein sind die Jahre nicht,
die etwa möchten kommen.
Der Augenblick ist mein,
und nehm' ich den in acht,
so ist der mein,
der Jahr und Ewigkeit gemacht.

Selbst gewählte Begrenzung, Bewusstheit und Achtsamkeit als Mittel für „mehr“ Lebensqualität und Gottesbegegnungen, das kann klappen – probieren Sie es aus.

Klaus Bulenz

Zurück zum Seiteninhalt