Geistliche Worte - Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde

Ev.-luth. Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde
Hannover Badenstedt
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Geistliches Wort


Ach Wettergottchen!

Unsere aufgeklärte Welt ist voller Götter. Menschen, die nie eine Kirche betreten würden, schauen zu Beginn eines Straßenfestes verträumt in den wolkenlosen Himmel und rufen aus: „Heute ist uns der Wettergott aber gnädig gestimmt!“ Sie haben dieses Fest doch wochenlang vorbereitet und so manchen Plan B geschmiedet für den Fall, „dass der Wettergott nicht mitspielt“. Diesem Gott werden keine Opfer gebracht und ich kenne auch keine Bildnisse von ihm.
Vielleicht würden sie eine Mischung aus Petrus und Zeus darstellen: mit sonnigem Lächeln und Plüschblitz. Denn der Wettergott ist ein freundlicher, liebenswerter Gott, der seinen Blitz nur als modisches Accessoire mit sich führt. Wer will einem solchen Gott böse sein, wenn er vielleicht doch mal nicht mitspielt. Er bekommt einfach eine neue Chance, beim nächsten Mal in der Mannschaft der Straßenfestorganisatoren mitzuspielen und nicht in der der Landwirte, die ja auch mal Regen brauchen.
Neben dem Wettergott gibt es auch noch den Fußballgott – eine Göttergattung, die sich in den letzten Jahrzehnten stark vermehrt hat. Es gibt ihn als omnipräsentes, mächtiges Exemplar, das spielentscheidend die Geschicke der Fußballwelt lenkt. Der Schalker Manager Rudi Assauer hat 2001 öffentlich seinen Glauben an diesen Fußballgott aufgekündigt, als am letzten Spieltag doch wieder einmal Bayern München Meister wurde.
Offensichtlich wurden noch keine tragfähigen Kriterien entwickelt, an die sich der Fußballgott zu halten hat.
Der Fußballgott ist ein dreifaltiger Gott, denn es gibt außerdem noch den Mannschaftsgeist, der Außenseitermannschaften zum Sieg trägt, und den menschengewordenen Fußballgott auf oder neben dem Platz.
1954 gab es davon nur einen und der stand im Tor der Nationalmannschaft. Hannover 96 hatte damals noch keinen und wurde trotzdem Meister, heute haben sie einen und der sitzt im Aufsichtsrat. Ein anderer wäre fast dazugestoßen, spielt nun aber bei St. Pauli, wo sie deshalb jetzt zwei haben. Der Fußballolymp ist von geradezu antiker Unübersichtlichkeit. (1)
Wenn der Wettergott mitspielt, dann feiern viele junge Menschen in diesem Jahr eine sonnige Konfirmation. Und wenn er nicht mitspielt, haben sie zwar verregnete Fotos, aber einen genauso unvergesslichen Tag. Einen Tag, an dem sie „Ja“ zu Gott sagen.
Nicht zu einem Gott, der exklusiv für ihr gutes Wetter und für ihre  Siege zuständig ist, sondern zu einem Gott, der für die ganze Welt gelebt hat und gestorben ist. Zu einem Gott, der auch bei schlechtem Wetter und in Niederlagen mit dabei ist, dann ganz besonders.

Eine gesegnete Frühlings‐ und Frühsommerzeit wünscht Ihr und euer

Manuel Kronast

(1) Toni Turek stand 1954 im Tor der deutschen Nationalmannschaft; Carsten Linke (Aufstiegsheld von 2002) ist im März in den Aufsichtsrat von Hannover 96 gewählt worden; Alexander Meier (Bundesliga‐Torschützenkönig 2015) wäre im Winter fast zu Hannover 96 gestoßen, Jan‐Philipp „Schnecke“ Kalla spielt seit 2003 für St. Pauli. Sie alle werden von Fans und Presse häufig als „Fußballgötter“ bezeichnet.
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