Wer ist Gott I - Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde

Ev.-luth. Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde
Hannover Badenstedt
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Wer ist Gott!

Briefe eines Patenonkels
Wie Konfis Gott beschreiben ...

Zwei Geschwister unterhalten sich nachts darüber, wie Gott denn wohl aussieht, wie alt er ist, wo er herkommt und ob er uns hört. Das Mädchen beschließt am nächsten Tag, ihren Patenonkel zu fragen und bekommt von ihm einen Antwortbrief ...
Die Konfirmand*innen sollten auf Grundlage dieser fiktiven Situation den Brief des Patenonkels verfassen. So machten sie sich selbst Gedanken darüber, wie man sich Gott wohl vorstellen könnte. Einige Auszüge aus ihren Briefen:




Eine Bibel – viele Gottesbilder
Leiterspiel
1. Mose 28,10‐22


Jakob ist auf der Flucht vor Esau. Zu Recht. Jakob hat seinen Bruder betrogen und zwar in großem Stil.
Nun hat er Angst um sein Leben. Von Gott erwartet er schon gar nichts mehr – es ist ihm klar, dass er es sich mit ihm gründlich verdorben hat.
Aber nachts träumt er von Gott. Er sitzt auf einer Wolke – unerreichbar. Aber von Jakobs Lagerplatz bis zu dieser Wolke reicht eine Leiter.
Engel steigen auf und ab und Gottes Stimme erreicht ihn ganz unten: „Ich will bei dir sein, egal wo du hin gehst. Ich will dich zu einem großen Volk machen!”
Gott ist nicht egal, was Jakob getan hat. Aber er lässt ihn trotzdem nicht alleine in die Fremde gehen. Obwohl Jakob auch vor Gott flüchtet, wird er ihn nicht los und das ist letztlich gut so.



Ringkampf
1. Mose 32,23‐33

Jakob ist in der Fremde mit Fleiß und List reich geworden. Aber seine Vergangenheit treibt ihn um, er will zurück zu seiner Familie, die alten Streitigkeiten endlich klären. Kurz vor seinem Ziel erreicht er nachts einen Fluss. Seine Familie überquert ihn, aber als Jakob ihnen folgen will, hält ihn ein Fremder auf.
Die beiden kämpfen die ganze Nacht miteinander. Jakob wird dabei verletzt – aber er lässt nicht locker. Denn er hat gemerkt, dass es Gott ist, mit dem er da ringt.
Und von Gott will er jetzt sofort gesegnet werden, bevor es zur entscheidenden Aussprache mit seinem Bruder kommt. Gott soll mit dabei sein. Und so sagt er: „Ich werde dich nicht loslassen, wenn du mich nicht segnest!” So segnet ihn Gott.
Am nächsten Tag überquert Jakob den Fluss voller Angst. Aber sein Bruder kommt ihm entgegen und umarmt ihn. Seit diesem Tag trägt Jakob den Namen „Israel” („Gott kämpft”).



Feuer und Flamme
2. Mose 3,1‐4,17

Jakob und seine Familie ziehen wegen einer großen Hungersnot nach Ägypten – heute würde man sie als „Wirtschaftsflüchtlinge” bezeichnen. Die allmähliche Gastfreundschaft der Ägypter wandelt sich im Laufe der Jahrzehnte in Verachtung und Angst, denn die Nachkommen Jakobs werden immer mehr. So werden sie als Sklaven kleingehalten und ihre Erstgeborenen getötet.
Einer von ihnen, Mose, flüchtet in die Steppe, wo er zum Schafhirten wird. Dort, am Berg Horeb, stößt er auf einen Dornbusch, der brennt, aber nicht verbrennt.
Aus diesem Busch spricht Gott zu ihm und gibt ihm den Auftrag, das Volk Israel zu befreien. Mose zögert – er traut es sich nicht zu, er könne nicht gut reden und überhaupt: Sie werden ihm nicht glauben. Gott begegnet den Selbstzweifeln des Mose mit dem Versprechen, ihn zu begleiten, komme was wolle.












Ein stilles Sausen
1. Könige 19,5‐13

Viele Jahrhunderte später: Auch der Prophet Elia ist auf der Flucht, gesucht von Königin Isebel. Es geht um die Frage der richtigen Gottesverehrung. Elia hat sich klar positioniert, extrem unbeliebt gemacht und sitzt nun in der Wüste. Dort gibt er sich seiner Hoffnungslosigkeit hin und will sterben.
Gott aber schickt einen Engel, der ihn mit Nahrung und Wasser versorgt und ihn dann ebenfalls zum Berg Horeb bringt. Dort geht Gott an ihm vorüber. Ein Orkan zerbricht Felsen – aber das ist nicht Gott. Ein Erdbeben erschüttert den Boden, auf dem Elia steht, das ist auch nicht Gott. Ein Feuer verzehrt die dürren Pflanzen um ihn herum – aber das ist immer noch nicht Gott. Schließlich spürt Elia ein stilles, sanftes Sausen. Darin erahnt er Gott.
So wunderschön diese Geschichte auch ist, so zeigt sie doch die Problematik der biblischen Gottesbilder. Denn der Kontext dieser stillen Winderscheinung beschreibt Macht und Gewalt. Elia ist in der Wahl seiner Mittel ebensowenig zimperlich wie die Königin. Gott nimmt Gewalt in Kauf, er fordert sie sogar. Immer wieder erzählt die Bibel von der menschlichen Suche nach geeigneten Gottesbildern, auch von Irrwegen – und findet schließlich den leidenden Gott, der die Sünde hasst, aber die Menschen liebt.

Manuel Kronast





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