Wer ist Gott III - Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde

Ev.-luth. Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde
Hannover Badenstedt
Ev.-luth. Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde
Hannover Badenstedt
Direkt zum Seiteninhalt
Wer ist Gott!

„Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod!”
Christliche Anklänge in „Harry Potter”

Harry Potter ist getauft, hat einen Taufpaten und feiert Weihnachten. Solche Informationen streut Joanne K. Rowling mehr nebenbei in ihre siebenbändige Buchreihe ein. Aber erst im letzten Band zeigt sich, dass das mehr
als Hintergrundrauschen ist.
Dann nämlich steht Harry vor dem Grab seiner Eltern. Ihr Grabstein trägt als Inschrift einen Bibelvers:„Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod” (1. Korinther 15,26).
Harry ist zunächst entsetzt, denn die Vernichtung des Todes ist das Hauptziel seines erbitterten Feindes Lord Voldemort (frz.für „Flucht vor dem Tod”) und dessen Anhängern, die „Todesser” genannt werden.
Doch der Umgang mit dem Tod prägt auch Harrys Kindheit und Jugend. Seine Eltern wurden von Voldemort getötet, er selbst verliert Schulkameraden und Freunde durch den Tod und ist fast ständig von ihm bedroht.
Joanne K. Rowling ist Christin und doch beschreibt sie den Umgang mit dem Tod nicht mithilfe christlichen Vokabulars, sondern anschlussfähig für alle Menschen.
Ihre Charaktere unterscheiden sich ganz wesentlich dadurch, wie sie dem Tod begegnen. Voldemort und seine Anhänger versuchen, den Tod mit dem Tod zu besiegen, indem sie ihn anderen zufügen. Voldemort versteckt Bruchstücke seiner Seele in unterschiedlichen Gegenständen, um für den Fall seines Todes ein ‘Seelen‐Backup’ zur Verfügung zu haben. Pro Bruchstück muss er einen  Menschen ermorden.
Der 1. Korintherbrief, aus dem die Grabinschrift stammt, zeigt einen anderen Weg, mit dem Tod umzugehen: in Liebe. Jesus Christus siegt nicht endgültig über den Tod, indem er andere tötet, sondern indem er sich aus Liebe zu uns Menschen selbst in den Tod begibt.
Bei „Harry Potter” ist die Liebe ebenfalls das nachhaltigste Mittel gegen den Tod. Harrys Mutter Lily stellt sich Voldemort entgegen, als er den kleinen Harry töten will. Sie selbst stirbt dabei, belegt aber ihren Sohn mit einem Schutz, der ihn überleben lässt. Im letzten Band wird außerdem klar, dass Lily auf weniger spektakuläre Art durch ihre Liebe einen anderen Hauptcharakter letztlich vom Weg des Todes abgebracht hat.
Sowohl Harry als auch sein anfangs über lebensgroßer Mentor Dumbledore wiederum sind Zweifler, die Fehler machen. Letztlich aber können sie dem Tod ihre Liebe entgegensetzten, weil sie selbst geliebt wurden.
Natürlich trägt die Figur des Harry Potter Züge von Jesus Christus, vor allem als er sich am Ende für seine Freunde opfert. Aber vor allem zeigt Joanne K. Rowling an ihm (und vielen anderen Charakteren der Reihe) Wege auf, wie Menschen dem Tod ohne Angst und voller Liebe entgegentreten können.
Oder wie Dumbledore gleich im ersten Band bemerkt: „Schließlich ist der Tod für den gut vorbereiteten Geist nur das nächste große Abenteuer.”

Manuel Kronast



Zurück zum Seiteninhalt