Geistliches Wort - Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde

Ev.-luth. Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde
Hannover Badenstedt
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Tatsächlich Advent

Im September habe ich um die Spekulatius und die Dominosteine noch einen Bogen gemacht. Inzwischen bin ich mittendrin. Eine Tasse Milchkaffee, Weihnachtsjazz, dazu ein Lebkuchenherz hier, ein Mandelkeks da. Lebkuchenherzen bitte nur gefüllt.
Die Kinder lieben die Vorweihnachtszeit sehr. Unsere Tochter liebt sie sogar mehr als ihren eigenen Geburtstag. Die Vorweihnachtszeit ist länger. Es gibt mehr Kekse und mehr Kerzen, es duftet, mal nach Zimt und Orangen, mal nach Bratapfel, mal nach dem Kaminofen. Die Vorfreude ist das Wunderbare, wenn wir vorbereiten, backen und basteln und anderen eine Freude machen wollen.
"Außerdem ist Weihnachten Jesus geboren und das ist etwas für alle und nicht nur für mich.“ Ich habe es dem Kind nicht in den Mund gelegt und sie hat natürlich Recht – das Ursprüngliche der Weihnachtszeit geht nur leider viel zu oft verloren.

Liebe Worte auf den rar gewordenen Postkarten, Gespräche und Begegnungen in und vor den Gottesdiensten, Telefonate mit Menschen, von denen ich das Jahr über nur selten etwas höre. Ich fühle mich gut aufgehoben. Wir schauen „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ und „Tatsächlich Liebe“, eingekuschelt in eine Decke, und alles ist so schnell wieder vorbei.

Ich frage mich, warum es mir nie gelingt, von dieser Magie etwas ins nächste Jahr zu retten.
Im Januar macht sich Ernüchterung breit, eine Art Gefühlsmuskelkater. Es gibt nichts zu feiern, die Tage sind kurz und es wird früh dunkel. Für das kommende Jahr habe ich mir vorgenommen, den Januar hindurch jeden Tag eine der Postkarten erneut zu lesen, eine zu schreiben oder jemanden erneut anzurufen. Weihnachten ist ja ein Beginn. Und dann ist Februar und es gibt Primeln.

Daniela Grün, Kirchenvorsteherin der
St.-Johannes-Kirchengemeinde Davenstedt


Weihnachten – Fest der Freiheit!

Weihnachten – das Fest der Liebe! Weihnachten – das Fest der Freiheit?

Wir feiern Weihnachten am Ende eines Jahres, in dem engagiert, gelegentlich auch erbittert über Freiheit diskutiert und gestritten wurde und wird.

Lockdown? Freiheitsverlust, weil nichts eingekauft werden kann, die Schule geschlossen ist, die Disco nicht öffnet und Besuche fast unmöglich sind. Freiheitsgewinn, weil Distanz mich selbst und andere schützt, weil Ärztinnen durchatmen können und Pfleger nicht mehr an ihre Grenzen kommen.
2G? Freiheitsverlust, weil Ungeimpfte vor verschlossenen Türen stehen. Freiheitsgewinn, weil manche Veranstaltungen überhaupt erst dadurch stattfinden, manche Nähe anders unmöglich ist.
Weihnachten – Fest der Freiheit? Wenn Ungeimpfte vor der Kirchentür abgewiesen werden? Oder weil Menschen erst dann in den Gottesdienst gehen können oder wollen, wenn nur Geimpfte oder Genesene zugelassen sind. Es ist nicht so einfach mit der Freiheit, auch an Weihnachten nicht. Viele Kirchengemeinden stehen vor schwierigen Entscheidungen. Manches klärt sich, wenn wir einander zuhören – aber dann muss entschieden werden. In Freiheit, aber auch mit Vorgaben von außen. Das widerspricht sich nicht. Denn
ohne Gebote – biblisch oder staatlich – ist es mit der Freiheit noch viel schwieriger. Dann sind nur die Stärksten frei.
Weihnachten – ein Fest der Freiheit: Die Weihnachtsgeschichte erzählt, wie Gott seine Freiheiten einfach aufgibt. Die Freiheit, allmächtig durchzuregieren, die Freiheit, Menschen zu manipulieren und sei es auch zum Guten hin. Die Freiheit, eine maximaltugendhafte Welt zu erschaffen. Denn all diese Freiheiten hätten zur Folge, dass seine Menschenkinder unfrei wären. Und offensichtlich will Gott das nicht. So verzichtet er auf diese Freiheiten. Und weil er das Risiko kennt, dass wir mit unserer Freiheit fahrlässig umgehen (und weil er uns trotzdem frei lassen will), geht er das maximale Risiko, ein verzichtet auf die Freiheit vom Tod. Er lässt sich in unsere Welt hineingebären. Er setzt sich als armseliges, wehrloses Kind unserer Freiheit aus. Es ist seine freie Entscheidung, nicht in einem prächtigen Gotteshaus zu wohnen, sondern unser wunderbares und grausames Leben vom Anfang bis zum Ende zu seinem Gotteshaus zu machen.
Wer so handelt, muss uns unglaublich lieben. Gott handelt so, damit wir von unserer Freiheit anderen abgeben können, weil wir uns sicher und geliebt fühlen.

Für mich ist Weihnachten das Fest der Liebe, weil Gott mich so sehr liebt, dass er mein Mit-mensch geworden ist. Das lässt mich freier atmen, auch 2021.

Fröhliche Weihnachten – in Liebe und Freiheit!

Ihr Pastor Manuel Kronast

(Fotos:Privat, Pfeffer)



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